Sokrates

Fachbereich

Philosophie

"PHILOSOPHIE –

Was ist das?...

...„Philosophie musst Du studieren, und wenn Du nicht mehr Geld hättest, als nötig ist, um eine Lampe und Öl zu kaufen, und nicht mehr Zeit als von Mitternacht bis zum Hahnenschrei.“ – Diesen dringenden Rat hat – fast 200 Jahre sind das schon her – Friedrich Hölderlin seinem jüngeren Bruder Karl geschrieben. ...
Immanuel Kant

...Philosophie als Freizeitvergnügen?

Philosophie als unnützer Luxus?

Philosophie als abstrakte Wortklauberei, die keiner versteht? ...

 

...Solche Vorurteile (es gibt sie nicht erst seit 200 Jahren) können doch nicht ganz stimmen, wenn Hölderlin seinem Bruder, von dem er doch wusste, dass er keine besondere Schulbildung hatte, so eindringlich die Philosophie ans Herz legte.

Was versprach er sich davon? Eines gewiss nicht: bessere Berufsaussichten. Karl Hölderlin hatte zum Glück seinen Beruf (er war Stadtschreiber); und das hat sich bis heute nicht geändert: zum Broterwerb taugt sie nicht, die Philosophie. Insofern ist sie tatsächlich ein Luxus."

So weit ein Auszug aus einem Aufsatz, den Gerd Gerhardt 1982 in einer Fachzeitschrift für Philosophie schrieb. Nun hat sich aber seitdem einiges geändert: Mit Philosophie alleine sein Brot zu erwerben ist auch heute noch schwierig, aber ihr gesellschaftlicher Stellenwert ist doch sehr gewachsen, was man ja unter anderem daran sieht, dass es mittlerweile philosophische Sendungen im Fernsehen gibt bzw. gab, die sich großer Beliebtheit erfreu(t)en, so z.B. die Beiträge des hundert Jahre alten Hans Georg Gadamer zur Geschichte der Philosophie sowie „Das philosophische Quartett“. Als Begleitstudium ist Philosophie mittlerweile sehr beliebt – auch bei ökonomischen Studien. Offensichtlich ist dies so, weil man ohne die Philosophie keine wirklichen Ansätze zur Lösung der ethischen und ökologischen Probleme der Moderne findet. Die Philosophie bietet Ansätze zum alternativen Denken, zur Hinterfragung festgefahrener Meinungen und Strukturen und jederzeit zum geistigen Neuanfang.

Philosophie in unserer Schule gibt es als Grundkurs (3stündig) im gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeld der Sekundarstufe II.

Weiter aus dem Aufsatz von Gerd Gerhardt:

„Die Texte müssen nicht, wie noch zu Hölderlins Zeiten, unter der Bank gehandelt oder außerhalb der Schule unter einem Stein versteckt werden. Man kauft sie zu erschwinglichen Preisen in der Buchhandlung oder lässt sich Auszüge daraus vom Lehrer mitbringen.
Mancher sieht jetzt schon einen zusätzlichen Deutschunterricht auf sich zukommen und wehrt ab. Das aber wäre ein ungerechtfertigtes Vorurteil, und da Vorurteile auch den gelassensten Philosophen aus der Ruhe bringen, schaffen wir es gleich wieder aus der Welt: Zwar wird im Philosophieunterricht auch viel gelesen, doch am Beginn stehen nicht die Texte, sondern Fragen und Probleme.
Wer sich mit selbsterdachten oder von anderen übernommenen Vormeinungen noch nicht zufrieden gibt, sondern weiterbohrt, der findet nicht nur in seinem Kurs Gesprächspartner, sondern – eben durch (philosophische und andere) Texte – auch in entfernteren Orten oder Zeiten. (Dass die Verständigung dann etwas schwieriger wird, nimmt man zumindest bei wichtigen, vielversprechenden Texten gerne in Kauf.)
Aber um welche Probleme geht's denn da überhaupt? Philosophische Probleme unterscheiden sich in einer wesentlichen Hinsicht von denen anderer Schulfächer. Während man durch den Unterricht in Physik oder Geschichte sein Wissen (in einem bestimmten Fach) vermehrt und damit klug oder gescheit wird, bemüht man sich in der Philosophie darum, weise zu werden. {Das griechische Wort „Philosophie“ bedeutet: Liebe zur Weisheit.)
Hört man „Weisheit“, so denkt man gleich an ergraute Bärte; Heinrich Heine kam so zu dem Verdacht, hier handle es sich nur um einen Decknamen für Haarausfall und Zähneschwund.“

Hier sei eine weitere Zwischenbemerkung gestattet, da ich zwischenzeitlich mit einem ergrauenden Bart, schon etwas länger mit Haarausfall, aber hoffentlich noch lange nicht mit dritten Zähnen dienen kann: Im Philosophie-Unterricht fand ich es in den letzten Jahren deswegen oft spannend, da gerade die Auseinandersetzung mit anderen Zeiten und Generationen zu erstaunlichen Übereinstimmungen im Weltbild philosophisch denkender Menschen führte, das nie rein zweckgerichtet und funktional ist. Insofern verbindet die Menschen durch die Jahrhunderte ein Gedanke – übrigens auch mit dem Grundansatz des Christentums: Dass der Mensch nicht in der Welt ist, um als in ein Joch gespanntes Massenwesen einen vordefinierten Zweck zu erfüllen, sondern ständig individuell und gesellschaftlich in einem Sinnfindungsprozess steht, der von Toleranz gekennzeichnet ist und unkonventionelle Wege nicht scheut, aber stets auch bereit zur geistigen Auseinandersetzung und zur Selbstreflexion ist. Das ist doch ein ganz junger – und uralter – Gedanke der Philosophie. Insofern hat Gerd Gerhardt recht, wenn er in seinem schon etwas älteren Aufsatz fortfährt:

„Richtig daran ist sicher, dass man nicht philosophieren (wohl aber klug) sein kann ohne eine gewisse Lebenserfahrung. Der Weise nämlich befragt all das, was wir in den vielen verschiedenen Fächern und Lebensbereichen lernen, auf seine Bedeutung für unser Leben insgesamt. (Was natürlich schlecht möglich ist, wenn man vom Leben noch nicht viel kennengelernt hat.)
Welchen Sinn hat denn das, was ich da tue? Wovon geht es aus? Worauf läuft es letztlich hinaus? Was steckt dahinter? Solche Fragen stellen heißt philosophieren. Es heißt heraustreten aus den Alltagsgeschäften, infragestellen, staunen und zweifeln, auch wenn es unbequem wird. (Man versteht jetzt, dass Hölderlin und seine Mitschüler solche Texte zuweilen vorsichtshalber am Neckar versteckten.)
Wer philosophiert, kann damit nicht besondere Fragen innerhalb seines Fachs oder Berufs leichter klären, wohl aber kann er deren Voraussetzungen und den Rahmen, in dem sie stehen, aufdecken. Insofern ist Philosophie die höchste Wissenschaft.
Etwas fasslicher wird diese Wissenschaft, wenn man sich ihre wichtigsten Teilgebiete ansieht:

Die „Anthropologie“ (Lehre vom Menschen) – Thema des Philosophiekurses in der Jahrgangsstufe 11/2 – beschäftigt sich mit den wichtigsten Eigenschaften, die uns Menschen auszeichnen (z.B. Sprache, Vernunft, Triebe, Freiheit, unsere Stellung in der Natur, in der menschlichen Gemeinschaft und im gesamten Kosmos).

In der „Ethik“ (Moralphilosophie) –Thema in 12/1 – redet man über das menschliche Handeln, über Werte und Ziele, die wir Menschen verfolgen sollen, um ein gutes und glückliches Leben führen zu können.

In der „Staats- und Geschichtsphilosophie" – Thema in 12/2 – geht es um Grundprobleme der Politik und Gesellschaft (z.B. um Grundrechte, Staatsformen, Utopien, Gewalt) bzw. um mögliche Deutungen von Ursprung, Sinn und Ziel der Geschichtsentwicklung.

In der „Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie“ – ein mögliches Thema
in 13 – untersucht man die Grundlagen und Grenzen menschlicher Erkenntnis, also Fragen wie: Was ist Wahrheit? Auf welchen Voraussetzungen beruht die Mathematik? Sind andere Formen menschlicher Erkenntnis denkbar?

Selbstverständlich können diese Teilgebiete der Philosophie – je nach den besonderen Interessen eines Kurses – anders gefüllt oder (vor allem in Klasse 13) um weitere Teilgebiete ergänzt werden: z.B Sprach-, Kunst-. Religionsphilosophie oder auch Metaphysik, Naturdeutung u.a.

Dabei wird sich zeigen: Die Philosophie hat so viele Gesichter, wie es Philosophen gibt. Da trifft man auf den pflichtbewussten Kant ebenso wie auf den ersten Hippie: Diogenes in der Tonne, der bei Alexander dem Großen einen Wunsch freihatte und sich nur erbat: „Geh mir aus der Sonne!“ Man lernt den entrückten Thales kennen, den eine Magd beobachtete, wie er nach den Sternen schaut und dabei in den Brunnen fällt. (Ihr schallendes Gelächter klingelt jedem Philosophen im Ohr.) Oder auch Sokrates, der (auf der Flucht vor seiner Frau Xanthippe?) barfuß in Athen herumläuft und die Leute von der Arbeit abhält, um ihnen in langen Gesprächen klarzumachen, dass sie nichts wissen (weil ihnen die Weisheit fehle). Natur- und Geisteswissenschaftler, Politiker, Mönche, Revolutionäre und Künstler sind unter den Philosophen.

Bei all ihren verschiedenen Fragen und Antworten geht es ihnen doch immer um das Gleiche: um den Horizont, unter dem das menschliche Handeln seinen Sinn erhält.“

Wer unsicher ist, ob er sich auf das Fach Philosophie einlassen soll, der kann in der Jahrgangsstufe 11 seine Erfahrungen sammeln, besonders im Einführungskurs in 11/1. Gerd Gerhardt weist auf einige Punkte deutlich hin:

„Wer sich ein festes Programm abfragbaren Wissens oder einen billigen Handel mit unhinterfragten Meinungen erhofft, wird von der Philosophie enttäuscht sein. Wer sich dagegen mit den zuvor genannten Fragen in hartnäckigen Gesprächen auseinandersetzen will, um zu einem eigenständigen Urteil zu gelangen, sollte sich nicht wundern, wenn er so schnell nicht mehr davon los
kommt.“

Heinz-Theo Frings

In meiner Information für 10er Schülerinnen und Schüler in der Aula bin ich auf folgende Punkte kurz eingegangen:

Vorstellung des Faches Philosophie / Heinz-Theo Frings, Bischöfliche Liebfrauenschule Eschweiler

Begriffserläuterung: „Philosophie“ heißt Liebe zur Wahrheit

Womit hat sie zu tun: 1. mit 'denken' / 2. mit 'kritisch sein' / 3. Sie hat keinen festen Gegenstand

1. Einleitung: Was Philosophie nicht ist:

1. Freizeitvergnügen, unsystematische Spinnerei, Wortklauberei
2. festes Programm abfragbaren historischen Wissens: Wichtig sind zwar auch Systeme, Methoden, Theorien, die man lernen kann und auch lernen muss, aber nie blind und mit Scheuklappen, ohne zweifeln zu dürfen

Antwort bekannter Philosophen zur Frage, was Philosophie ist:

Sokrates und Aristoteles: Staunen und ständiges Fragen
Descartes: systematischer Zweifel
Kant: Philosophie heißt Philosophieren, also kein Lernen einer Wissenschaft, sondern selbst sorgfältig denken

2. Hauptteil: Philosophieren bedeutet Zweifel und Suchen der Wahrheit in allen
Lebensbereichen; daraus ergeben sich die verschiedenen Themen:

- Anthropologie: Was ist der Mensch (Tier, Kosmos, Frieden) (11.2)

- Ethik: Freiheit, Was ist 'gut' und 'böse'? (12.1)

- Existenzphilosophie: Angst, Leid, Tod, Glück, Hoffnung

- Staatsphilosophie: Wie entstand das menschliche Zusammenleben und nach
welchen Gesetzen läuft es ab?

- Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie: Was ist Wissenschaft + Grenzen der
Wissenschaft

- Sprachphilosophie, Geschichtsphilosophie, Ontologie (Seinslehre), Logik, Religionsphilosophie

Der Philosophieunterricht ist geprägt vom Prinzip der Offenheit:
Mitsprache der SchülerInnen bei der Auswahl der Inhalte und Texte, Schülerdiskussion, Textlektüre, auch kritisches Denken sind gefragt. / Philosophie ist ein mögliches Klausurfach und ein mögliches Abiturfach wie jedes andere Fach.

Hauptpunkte zusammengefasst:
- Lernen und Wissen, aber hauptsächlich Diskutieren!
- Lernenkönnen der Inhalte und Begriffe ist auf jeden Fall gegeben!
- allgemeine Ziele: Diskutieren, Zuhören, Erstnehmen anderer Positionen, eigene Gedanken entwickeln und äußern, kritische Welthaltung!

Und das ist auch etwas Besonderes: Jedes Halbjahr gibt es ein neues Programm, sodass es heißt: neues Spiel, neues „Glück“, hier natürlich zu verstehen als 'neue Motivation zum Mitdenken und Mitarbeiten'!

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